News KI-Forschung: Strukturierte Behandlungsdaten als Schlüssel zur Interoperabilität

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Schluss mit dem „PDF-Friedhof“: Ein neues Forschungsprojekt soll die elektronische Patientenakte (ePA) in ein echtes digitales Präzisionswerkzeug verwandeln.

BVDD

Im deutschen Gesundheitswesen schlummert ein gewaltiger Datenschatz, der oft durch inkompatible Systeme blockiert wird. Die ePA leidet aktuell noch unter diesem Strukturproblem: Viele Dokumente wie Entlassbriefe werden lediglich als unstrukturierte PDFs abgelegt. Für eine automatisierte Weiterverarbeitung durch KI-Systeme oder den schnellen sektorenübergreifenden Abgleich sind diese Daten kaum nutzbar. Das Hamburger Unternehmen Tiplu arbeitet daher bis Ende Februar 2026 an einem intersektoralen FHIR-Datenmodell, um Gesundheitsdaten maschinenlesbar und interoperabel zu machen (Link zur Original-PM). 

Fokus: Datenqualität statt bloßer Ablage

Ziel des Projekts ist es, medizinische Informationen direkt an der Quelle – also in der Klinik oder Praxis – strukturiert als FHIR-Daten zu erfassen.

  • Interoperabilität: Nahtloser Datentransfer zwischen stationärem und ambulantem Sektor ohne Informationsverlust.
  • MIOs (Medizinische Informationsobjekte): Definition klarer Standards für Befunde und Berichte, um die ePA „KI-ready“ zu machen.
  • Vermeidung von Redundanz: Strukturierte Akten verhindern Doppeluntersuchungen und reduzieren Medikationsfehler.

KI-Anwendungen in der Praxis

Das Forschungsprojekt demonstriert bereits konkrete Use Cases, die durch strukturierte Daten erst möglich werden:

  1. KI-Entlassbriefe: Automatisierte Erstellung von Berichten auf Basis strukturierter Patientendaten (z. B. via myScribe).
  2. Clinical Decision Support: Therapieempfehlungen durch Abgleich mit aktuellen Studien und Leitlinien (z. B. via Synagen).
  3. Patienten-Empowerment: Einbettung verständlich aufbereiteter Daten in Patientenportale.

Relevanz für die digitale Dermatologie

Besonders in der Dermatologie, wo Bilddaten und Befunde eng verknüpft werden müssen, bietet FHIR enormes Potenzial. Wenn Vorerkrankungen, Allergien oder Vorbehandlungen strukturiert in der ePA vorliegen, können KI-Tools Hautveränderungen präziser im Kontext der Patientenhistorie bewerten. Ebenso sind die standardisierten Datensätze sind die Basis für KI-gestütztes Hautkrebs-Screening und die langfristige Verlaufskontrolle chronischer Hauterkrankungen.

Fazit:

Die Forschung zum FHIR-Datenmodell ebnet den Weg für ein vernetztes Gesundheitssystem. Für die Medizin-KI bedeutet das den Sprung vom Pilotprojekt in die breite klinische Anwendung.

 

ssey/bvdd