Am 04.02.2026 fand die 1. Nationale Versorgungskonferenz Digitale Dermatologie als digitale Veranstaltung statt. Ziel war es, die Versorgungssituation in Deutschland einzuordnen, Barrieren zu identifizieren und den Prozess zur Entwicklung sowie Priorisierung von Versorgungszielen zu starten. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Hautnetz Deutschland e.V., einem Netzwerk zur Förderung einer zeitgemäßen und bedarfsgerechten Versorgung hautkranker Menschen in Deutschland durch Forschung und Vernetzung. Die wissenschaftliche Leitung hatten Prof. Dr. Matthias Augustin und Dr. Ralph von Kiedrowski.
Worum es ging: Versorgung verbessern und Ziele messbar machen
Im Rahmen der Nationalen Versorgungskonferenzen steht die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Hautkrankheiten im Mittelpunkt, ausdrücklich unter Nutzung digitaler Verfahren. Defizite und Barrieren sollen benannt, Versorgungsziele entwickelt und künftig regelmäßig hinsichtlich ihrer Zielerreichung überprüft werden.
Zugleich wurde betont, dass eine Auftaktkonferenz in vier Stunden nicht alle Schritte vollständig leisten kann, jedoch Grundlagen für die weitere Zielarbeit legt.
Programmstruktur: Überblick, Aktivitäten, Zielarbeit
Die Agenda sah Impulse zur Versorgungslage sowie einen breiten Überblick über Aktivitäten und Projekte vor. Im zweiten Teil waren interaktive Sessions zur Definition von Arbeitsbereichen/Versorgungszielen sowie zur Priorisierung vorgesehen.
Vorsitz und Moderation hatten Prof. Dr. Mark Berneburg (Vorsitz Hautnetz Deutschland e.V.) , Prof. Dr. Augustin, Dr. von Kiedrowski, Dr. Bandholz (Sektion Digitale Dermatologie) sowie Prof. Dr. Welzel. Aus der digitalen Dermatologie-Landschaft waren dermatologische Start-ups und dermatologisch relevante Projekte wie HautKompass, Hello Professor, Itchy Monster, Dermagnostix, DermaValue, GAIA AG, LENICURA, Nia Health, Cruse Control, dermanostic, derma2go, OnlineDoctor, Dermtest, Omnidoc und Skinuvita zugegen.
Zentrale Themen aus Beiträgen und Diskussion
Zugang und Steuerung: Digitale Triage als Versorgungsbaustein
In der Diskussion wurde wiederholt hervorgehoben, dass angesichts hoher Nachfrage und begrenzter Kapazitäten ein geregelter Zugang zur dermatologischen Versorgung erforderlich ist. Digitale Verfahren werden in diesem Zusammenhang insbesondere als Möglichkeit beschrieben, Anfragen zu strukturieren, zu priorisieren und geeignete Versorgungspfade zuzuweisen.
Damit verbunden ist die Frage, welche Qualitätsanforderungen an Informationen (z. B. Bilder, strukturierte Angaben) und Prozesse gestellt werden müssen, um Steuerung zuverlässig umzusetzen.
Vergütung und Umsetzbarkeit: Rahmenbedingungen für digitale Versorgung
Mehrere Beiträge verwiesen darauf, dass digitale Versorgungswege nur dann in die Breite kommen, wenn sie wirtschaftlich darstellbar sind. Als Beispiel wurde die Videosprechstunde genannt, die im GKV-Bereich aufgrund der Vergütung häufig nicht genutzt werde.
Zugleich wurde die Perspektive betont, dass digitale Versorgung als Bestandteil regulärer Versorgung gedacht werden müsse, einschließlich notwendiger Investitionen in Infrastruktur.
Insellösungen und Standardbedarf: Orientierung für Praxen und Skalierung
Ein wiederkehrendes Thema war die Beschreibung eines fragmentierten Angebots („Insellösungen“). In der Diskussion wurde dies mit dem Bedarf nach gemeinsamen Qualitäts- und Informationsanforderungen sowie Orientierung für Praxen verknüpft.
Aus Sicht des BVDD wurde dies als zusammenfassender Befund ausdrücklich benannt („zu viele Insellösungen“).
Rechtlicher Rahmen: Verantwortungs- und Strukturfragen in telemedizinischen Settings
Im Verlauf wurde der rechtliche Status von Telemedizin ohne eigene Praxis als Klärungspunkt aufgegriffen; hierzu wurde durch den BVDD eine Prüfung bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben.
Damit verbunden sind Fragen der Verantwortungszuordnung, der Übergänge in Präsenzversorgung sowie der Qualitätssicherung.
Daten, Datenschutz, Interoperabilität: Anforderungen im europäischen Kontext
Als Kontext wurde auf europäische Entwicklungen hingewiesen, unter anderem auf den European Health Data Space (EHDS) und Umsetzungsfristen.
In diesem Zusammenhang wurde die Relevanz interoperabler Strukturen für digitale Versorgungsprozesse angesprochen.
Facharztstandard und Patientennutzen: Leitplanken für digitale Anwendungen
Aus mehreren Beiträgen wurde die Notwendigkeit betont, digitale Anwendungen an einem fachärztlichen Standard auszurichten und Patientennutzen, Sicherheit und Grenzen digitaler Verfahren mitzudenken.
Im BVDD-Beitrag wurde zudem darauf hingewiesen, dass digitale Versorgung nicht als Ersatz notwendiger Präsenzdiagnostik zu verstehen ist und Leitlinienarbeit hierfür eine zentrale Rolle spielt.
Breite Aktivitätslandschaft: Digitale Dermatologie über Telemedizin hinaus
Die Konferenz zeigte eine breite Landschaft an Initiativen, Projekten und Versorgungsbausteinen.
Die Beiträge machten deutlich, dass digitale Dermatologie neben Telemedizin auch unterstützende, evidenzbasierte Angebote umfassen kann, etwa digitale Interventionen zur psychosozialen Unterstützung und zum Patient:innen-Empowerment.
